10 Jahre Integrationsagentur

10 Jahre Caritas-Integrationsagentur in Witten

Sie war die erste im EN-Kreis: die Integrationsagentur der Caritas. Ein WAZ-Gespräch mit Leiterin Stephanie Rohde über Projekte und Butter im Tee.

Seit zehn Jahren gibt es Integrationsagenturen in NRW. Die Caritas war von der ersten Stunde an dabei, um sich für Zugewanderte einzusetzen und das friedliche Miteinander in der Stadt zu unterstützen. Sechs Jahre lang war diese Wittener Integrationsagentur die einzige im Ennepe-Ruhr-Kreis. Im Gespräch mit Leiterin Stephanie Rohde (40) geht es um einen Rückblick auf verschiedene Projekte und ihre Wirkung, um neue Ideen für die Zukunft und Butter im Tee.

 

Warum hat die Caritas damals eine Integrationsagentur eingerichtet?

Stephanie Rohde: Wir waren ohnehin auf dem Gebiet der Migration aktiv. Da bot sich das an.

 

Was leistet Ihre Institution?

Vier Säulen machen unsere Arbeit aus. Dazu gehören interkulturelle Sensibilisierung und sozialraumorientierte Arbeit. Außerdem fördern wir bürgerschaftliches Engagement und setzen uns gegen Diskriminierung ein. Es geht nicht um Einzelfallhilfe, sondern um den Dialog zwischen den Kulturen. Da müssen wir inzwischen darauf achten, Flüchtlingen und Zugewanderten gerecht zu werden.

 

Sie bringen jedes Jahr ein Programm heraus. Was bieten Sie an?

Es geht um Bildung und Qualifizierung. In den zehn Jahren haben wir 466 Kurse mit 13 177 Unterrichtsstunden und 3420 Teilnehmern angeboten. Im Mittelpunkt stehen Sprachkurse. Da hat unser Kurs für Flüchtlingsfrauen mit Kinderbetreuung, den wir zusammen mit den Serviceclubs anbieten, eine Versorgungslücke geschlossen. Es gibt sogar eine Warteliste.

 

Bekommen Sie persönlich etwas von den Fortschritten mit, die die Teilnehmer machen?

Ich habe neulich erst solch einen Kurs besucht. Da haben die Frauen die Weihnachtsgeschichte nacherzählt und ein deutsches Weihnachtslied gesungen. Ich war sehr gerührt, wie stolz sie darauf waren. Aber sie haben auch eine tolle Lehrerin. Da springt der Funke über.

 

Jedes Jahr bieten Sie ein besonderes Projekt an, das möglichst viele anspricht. Welche gab es bereits?

Zum Beispiel das Lego-Projekt, bei dem 70 000 Steine extra für uns angekarrt und dann gemeinsam unter dem Thema Heimat verbaut wurden. Oder „Mach was draus“. Da sollten Jugendliche fünf Euro zugunsten eines guten Zwecks vermehren. Dann haben wir mit der Wabe „Integration auf dem Drahtesel“ betrieben. Flüchtlinge konnten auf gespendeten Rädern das Fahren üben, um mobiler zu werden. Interessant war auch das Teetrinken, bei dem die Zuwanderer Gastgeber waren. Da habe ich gelernt, dass Afrikaner ein kleines Stück Butter in ihren Tee geben.

 

Die Teilnahme an Ihren Angeboten ist generell freiwillig. Wie erreichen Sie die Menschen?

Wenn etwas gut ist, dann spricht sich das schnell in der Community herum. Oder die Menschen bekommen bei der Migrationsberatung den Tipp, bei uns mitzumachen. Wir sind ja gut vernetzt mit den unterschiedlichsten Diensten.

 

Was planen Sie für 2018?

Die arbeitsmarktliche Integration soll im Fokus stehen. Wir haben gemerkt, dass bei allem Engagement eine Kleinigkeit fehlt: die Routine bei Vorstellungsgesprächen. Die wollen wir mit einer Jury üben.

>> FAKTEN

  • Das NRW-Förderprogramm Integrationsagenturen besteht seit dem 1. Januar 2007. So lange gibt es auch jene der Caritas. 2013 kamen drei weitere Integrationsagenturen in der Region dazu: beim DRK Witten, bei der Diakonie Schwelm und bei der jüdischen Gemeinde Bochum.
  • Heute gibt es in NRW 183 Integrationsagenturen.

 

Quelle: WAZ Witten vom 30.12.2017.

Das Gespräch führte WAZ-Reporterin Annette Kreikenbohm