Armut wirkungsvoll bekämpfen

„Armutsberichte gibt es zuhauf. Nun müssen konkrete Taten in der Armutsbekämpfung folgen“, fordert Caritas-Vorstand Hartmut Claes anlässlich der heutigen Beratung des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts im Bundeskabinett.

Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesregierung bei der Berichterstellung erstmals neben der Wissenschaft auch Betroffene anhört“, betont Claes. So unterstütze die Caritas die Forderung der Betroffenen, dass Leistungsempfänger aktiver in die Entscheidungen der Jobcenter eingebunden werden, beispielsweise in der Frage, welche Weiterbildung für sie sinnvoll ist. „Für Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chancen haben, muss es öffentlich geförderte Beschäftigung geben“, so Claes.


Wirkungsvolle Armutsbekämpfung ist aber nur möglich, wenn auch die materielle Unterstützung gewährleistet ist. „Es darf  nicht sein, dass im Gesundheitswesen eines reichen Landes keine ausreichende Unterstützung für den Kauf  einer Brille gegeben wird. Sehschwache Menschen können keine Stellenanzeigen lesen, Bewerbungen schreiben oder Verkehrsschilder deuten“, beschreibt Claes die missliche Lage von Menschen, die allein wegen ihrer Sehbehinderung ausgegrenzt sind.


Positiv wertet Claes, dass im Bericht das Problem „verdeckte Armut“ thematisiert wird. Nach seriösen Schätzungen (des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) beantragen zwischen 34 und 43 Prozent der Menschen keine ergänzenden Grundsicherungsleistungen, obwohl sie Anspruch hätten. Die Bundesregierung möchte hier ansetzen und familienbezogene Leistungen durch Online-Beratung bekannter machen.
Zudem glauben nach wie vor viele arme alte Menschen, ihre Kinder müssten zahlen, wenn sie Grundsicherung im  Alter beantragen. Das ist aber nur bei einem Einkommen über 100.000 Euro der Fall. Darüber muss verstärkt aufgeklärt werden.