Caritasverband Witten feiert den 100. Geburtstag

Foto: Weihbischof Manfred Grothe führt die Sängerin Daisy über das Parkett

Seinen 100. Geburtstag feierte der Caritasverband Witten genau dort, wo er vor einem Jahrhundert gegründet wurde. Im Ardey-Hotel fanden sich 160 Gäste ein, um dem kirchlichen Wohlfahrtsverband zu gratulieren. Anstelle von Grußworten gab es eine Gesprächsrunde zu den Themen Armut und Pflege. Mit dabei waren Hartwig Trinn (Caritas) Jochen Winter (AWO), Sonja Leidemann (Bürgermeisterin), Olaf Schade (Landrat) Josef Lüttig (Caritas Paderborn) und Hartmut Claes (Caritas).

Am 30.6.1918 trafen sich im katholischen Gesellenhaus an der Ardeystraße 11 (das heutige Ardey-Hotel) 10 Vereine und 27 Einzelpersonen, um die Wittener Caritas zu gründen. Im damaligen Kaiserreich gab es lediglich eine freiwillige Armenpflege, zu der aber keine Kommune verpflichtet war. Erst in der Weimarer Republik bestand ein Anspruch auf staatliche Fürsorge. Genau in dieser Zeit gründeten sich mehrere Hilfsorganisationen. Armut, Hunger und Wohnungslosigkeit  waren am Ende des ersten Weltkriegs die drängenden Probleme.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläum verfasste die Wittener WAZ am 29.06.2018. Hier der Text von Britta Bingmann:

Im Juni 1918, vor genau 100 Jahren, wurde der Caritasverband gegründet. Seit damals hat sich seine Arbeit sehr verändert. Nicht nur zum Guten.

„Wir bitten um ein Pfund Lebensmittel, das am Samstag im Hause des Gebers regelmäßig abgeholt wird, um der Mutter zu helfen, ein Sonntagsessen zu bereiten.“ Mit einer großen Anzeige in der Wittener Volkszeitung bat der Caritas-Verband 1931 um Spenden für die Armen. Die Not der Bevölkerung lindern: Das war das Ziel, als der Verband am 30. Juni 1918 kurz vor Ende des 1. Weltkriegs gegründet wurde – auf den Tag genau morgen vor 100 Jahren.

Im Wittener Gesellenhaus an der Ardeystraße 11-13 – an der Stelle steht heute das Ardey-Hotel – wurden die Dokumente damals unterzeichnet. 27 Einzelmitglieder hatten sich versammelt, dazu kamen zehn „Kooperationen“. „Ich vermute, dass damit Gemeinschaften wie Bürger- und Gesellenverein, Kolping, Elisabeth- und Vinzenz-Konferenz gemeint sind“, sagt Hartmut Claes, heute Vorstand der Caritas Witten. Viele Unterlagen gibt es nämlich nicht mehr aus den Anfängen. „Das liegt wohl daran, dass die eigentliche Caritas-Arbeit überwiegend in diesen Vereinen stattfand“, erklärt er. Der Verband habe eher moderierende Funktion gehabt.

„Die Themen sind noch die gleichen wie damals“

Lange arbeitete der Caritas-Verband rein ehrenamtlich. Das änderte sich erst 1976. Damals wurde der heutige Caritas-Verband für das Dekanat Witten als eingetragener Verein gegründet – der erste Versuch dazu war übrigens schon 1954 gescheitert. Mit drei Hauptamtlichen startete der Verein dann seine Arbeit.

Aus diesen Anfängen ist inzwischen ein Verband mit 122 Hauptamtlichen, einer Vielzahl von Ehrenamtlichen und einem Jahres-Etat von 3,5 Millionen Euro geworden. „Die Themen aber sind eigentlich noch die gleichen wie damals“, so Claes. Zuwanderer, Obdachlose, Familien in Not: Damals wie heute kümmert sich die Caritas um dieses Klientel. „Wir setzen uns für die Menschen ein, die keine Lobby haben“, sagt Hartwig Trinn, Vorsitzender des Caritas-Rates.

„Es ist zuletzt alles viel bürokratischer geworden“

Integration und Migration, Betreuung der Menschen in Notunterkünften, gesetzliche Betreuung und vor allem Krankenpflege – so heißen die Bereiche, in denen der Verband heute aktiv ist. Marien-Hospital, Altenheime und Kindergärten werden zwar auch von der Caritas betrieben, gehören aber nicht zum Wittener Verband.

Die Themen sind die gleichen, aber die Arbeit hat sich verändert. „Es ist zuletzt alles viel bürokratischer geworden“, klagt der Vorstand. Überbordende Kontrollen und Dokumentationspflicht etwa in der ambulanten Krankenpflege: „Das lähmt unsere Arbeit.“

Ein starkes Stück katholische Kirche

Spontane Hilfe sei kaum noch möglich. Dabei sei gerade die die Stärke der Wohlfahrtverbände. „Denken Sie daran, wie schnell und gut das Rote Kreuz damals die Jahnhalle für die Flüchtlinge hergerichtet hat.“ Wer solche Leistungen erst mühsam ausschreiben wolle, der verstricke sich in langen bürokratischen Prozessen, so Claes.

Genau dort, wo vor 100 Jahren der Verband gegründet wurde, findet heute die große Feier statt. Wenn Hartmut Claes sich zum Geburtstag etwas wünschen dürfte, dann wäre es dies: „Dass die Politik nicht den Fehler macht, auf die Wohlfahrtspflege als starken Partner an ihrer Seite zu verzichten.“ Der Verband brauche eine verlässliche, berechenbare Finanzierung, damit Projekte langfristig geplant werden können. Und auch das wünscht er sich: „Dass unsere Arbeit von Politik und Kirche wertgeschätzt wird. Denn wir sind ein starkes Stück katholische Kirche.“