Flexible Dienstzeiten machen Pflege wieder interessant

Foto: Marina Pester bei der Medikamentengabe

Wittens Caritas-Vorstand Hartmut Claes weist schon lange daraufhin, dass Deutschland kein Pflegenotstand droht, sondern dass dieser schon Realität ist. Auch seine Mitarbeiter mussten schon in der Vergangenheit – wie andere ambulante Dienste in Witten – Patienten-Anfragen nach einer Pflegekraft – mangels Personal – ablehnen. Jetzt setzt die Caritas bei der Mitarbeitersuche verstärkt auf Mütter. Durch flexible Arbeitszeiten konnte sie bereits fünf für die Pflege gewinnen.

Daniela Lange ist eine von ihnen. Am Montagmorgen versorgt die 39-Jährige Christel Koester. Die 82-Jährige benötigt Hilfe beim Duschen und für ihre Beine Kompressionsverbände. Zwei Frauen, die sich gut verstehen. Lange, examinierte Altenpflegerin, ist seit Januar bei der Caritas, arbeitet dort 100 Stunden im Monat. Vorher war die Mutter von drei Söhnen in einer stationären Einrichtung beschäftigt. Die dortige Arbeitsbelastung führte dazu, dass sie sich irgendwann „total ausgebrannt“ fühlte. „Ich war fix und fertig“, erzählt sie. Die Caritas hat mir ihr vereinbart, dass sie nicht – wie üblich – ihre ambulanten Patienten ab sechs Uhr morgens versorgen muss, sondern erst ab acht Uhr. Vorher kann sich Daniela Lange noch um ihre Kinder kümmern.

 

Schreibkraft tippt die Dokumentationen

 

Wie andere Caritas-Pflegekräfte in Witten hat die 39-Jährige nur noch an jedem dritten Wochenende Dienst, nicht mehr an jedem zweiten. „Das war ein Wunsch unserer Mitarbeiter“, erklärt Andreas Waning, Fachbereichsleiter ambulante Dienste.

Caritas-Vorstand Claes betont, man habe auch eine Schreibkraft eingestellt, die jetzt die vorgeschriebenen Pflege-Dokumentationen abtippe. „Das müssen die Pflegekräfte nicht mehr selbst tun. Das entlastet sie sehr.“ Auch Eileen Müller, gelernte Zahnarzthelferin, ist im vergangenen September zur Caritas gewechselt. Die 43-Jährige arbeitet immer vormittags. Vorher war sie bei einem privaten ambulanten Pflegedienst in Hattingen beschäftigt. „Ich habe dort für viel Arbeit wenig Geld bekommen“, sagt die zweifache Mutter.

 

Von morgens früh bis abends spät gearbeitet

 

Ihr neuer Arbeitgeber zahlt Wochenend-, Feiertags-, Abend- und Nachtzuschläge. Hartmut Claes: „Das machen alle Wohlfahrtsverbände, bei privaten Pflegeanbietern ist dies nicht üblich.“ Die gute Bezahlung weiß auch Sabrina Arndt zu schätzen, die zehn Jahre in einer Hausarztpraxis beschäftigt war. „Nach dem zweiten Kind war ich drei Jahre zuhause. Dann habe ich in einer anderen Arztpraxis gearbeitet, die es heute nicht mehr gibt.“ Seit Dezember 2017 ist die 36-Jährige täglich von 8 bis 11 Uhr in der ambulanten Pflege für die Caritas unterwegs. Danach kümmert sie sich um ihre Familie.

Monika Kaminski ist Krankenschwester. Die gebürtige Polin hat, bevor sie 2015 zur Caritas ging, bei einem privaten Pflegedienst gearbeitet. „Und zwar von morgens früh bis abends.“ Bei der Caritas hat die 42-Jährige eine halbe Stelle: „Mein Mann und ich wechseln uns bei der Betreuung unserer Tochter ab. Hat er Frühschicht, mache ich Spätdienst und umgekehrt.“

Menschen zu ermöglichen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, hält Hartmut Claes für einen Weg, um in schwierigen Zeiten neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Durch die zusätzlichen Kräfte könne man jetzt auch wieder neue Patienten annehmen. „Voraussetzung ist aber, dass auch sie zeitlich flexibel sind und nicht schon frühmorgens versorgt sein wollen.“

 

WAZ Witten vom 5.6.2018, Autorin: Jutta Bublies