Mittagstisch in Wittens Café Credo: Diese Zutat macht Linsensuppe perfekt
Quelle: WAZ Witten, Jürgen Overkott, 5.10.2025.
Die Linsensuppe ist der Renner. Zwei Mal pro Monat bitten ehrenamtliche Köche in dem Wittener Caritas-Café zu Tisch. Wie schmeckt die Hausmannskost?
Die Preise in der Gastronomie sind förmlich explodiert. Als günstige Alternative empfiehlt sich der Mittagstisch. Unsere Berichterstattung über unterschiedliche kulinarische Angebote in Witten findet viel Resonanz. Caritas-Sozialarbeiter Rolf Kappel meldete sich bei der Redaktion, um auf die warmen Mahlzeiten hinzuweisen, die alle 14 Tage im Café Credo an der Hauptstraße serviert werden. Wir kamen gern zum Probieren vorbei.
„Wenn es bei uns Linsensuppe gibt, ist das Café Credo voll“, sagt Kappel. „Dann planen wir mit 50 Portionen.“ Dann muss es ja wirklich gut sein. Und: Gäbe es das Angebot nicht, müsste es erfunden werden. Im Marienviertel leben viele Menschen mit schmalen Geldbeuteln.
Im Café Credo der Caritas in Witten gilt: Futtern wie bei Muttern
Erinnerungen an die Hausmannskost bei Mutter werden wach. Sie kochte wie ein gutes Restaurant: frische Zutaten, kleine Karte. Zu ihren Spezialitäten gehörten Bratkartoffeln, Königsberger Klopse. Gulasch, Rollbraten und, natürlich, Linsensuppe. Die Messlatte hing hoch.
Das Sozial-Café hat alle 14 Tage donnerstags in der Mittagszeit geöffnet. Monatsmitte, Monatsende, das ist der Turnus, im Marienviertel ist er bekannt. Um 13 Uhr ist der Gastraum gut gefüllt. Viele Ältere sitzen zusammen und plaudern. Die Atmosphäre wirkt entspannt. Das Café bietet nicht nur Suppe, sondern auch Gemeinschaft. Sie ist, so scheint es, mindestens genauso wichtig wie die dampfende Mahlzeit. Wir ahnen es: Tückischer als Corona ist die neue Seuche Einsamkeit.
Neben Linsensuppe gibt Spezialität aus der Ukraine
Aber nicht nur Essen stiftet Gemeinschaft, auch Ehrenamt schafft Kontakte. Chefkoch ist diesmal Dominik Bergemann. Er hat erkennbar Spaß an seiner Arbeit. An seiner Seite steht Svitlana Kuzmenko. Sie ist Spezialistin für ukrainische Rezepte, und sie schwört auf den Eintopf „Grüner Borschtsch“, eine Gemüsesuppe mit Fleischeinlage. Dabei wird die andernorts beliebte Zutat Rote Beete durch Sauerkraut ersetzt.
Gastro-Kenner wissen, dass der Erfolg von Restaurants nicht nur vom Essen abhängt. Vielmehr zählt guter Service genauso viel, mindestens. Dafür ist Gisela Heidemann zuständig. Sie steht am Tresen, hat einen wachen Blick für die Arbeit des Küchenduos und, natürlich, für die hungrige Gästeschar.
Zu den frischen Zutaten gehört auch eine Portion Liebe
Schön sämig ist die Suppe: Das sieht man auf den ersten Blick. Zu den Linsen kommen unter anderem kleine, weichgekochte Stückchen von Kartoffeln und Möhren. Die Mettwurstscheiben sind spürbar nicht mitgekocht. Sie sind bissfest, deftig, haben dennoch ein feines säuerliches Aroma. Der Eintopf ist dezent gesalzen und zurückhaltend gewürzt. Es ist sogar noch eine weitere Zutat herauszuschmecken, ohne die kein Gericht perfekt ist: eine ordentliche Portion Liebe.
Inzwischen hat sich das Café weitestgehend geleert. Lediglich ein Frauentrio sitzt noch zusammen, vertieft in ein intensives Gespräch. Gisela Heidemann bietet uns einen Nachschlag an: „Nehmen Sie ruhig – das muss sonst weg.“ Das ist ein Angebot, das der Reporter unmöglich ablehnen kann. Die Wärme, sie tut gut an diesem kühlen Herbsttag.
Deftige Kost in Wittens Café Credo gratis – Spenden sind erwünscht
Und nach der Suppe ist vor dem Dessert. Fruchtjoghurt gibt es, dazu einen kleinen Apfel. Er kommt erkennbar aus einem Garten, eine Spende, wie Rolf Kappel vorab erzählt hat. Als Hunger und Wissensdurst gestillt sind, wollen wir uns verabschieden. Gisela Heidemann drückt der Presse noch einen Apfel in die Hand: Wegzehrung.
Speis‘ und Trank sind gratis. Die Zutaten stammen von Spendern, darunter vom nahen Boni-Markt. Spenden der Gäste sind erwünscht. Die Höhe bestimmt jeder, jede selbst. Auf den Tischen stehen große Sparschweine. Dummerweise haben wir kein Bargeld dabei. Rolf Kappel winkt ab: „Sie machen das schon.“ Tatsächlich findet sich auf der Homepage der Wittener Caritas die Nummer eines Spendenkontos. Das Geld ist schon überwiesen – für Menschen, die das Angebot nicht bloß schätzen, sondern bitter nötig haben.
Den kostenlosen Mittagstisch im Café Credo gibt es jeden zweiten und letzten Donnerstag im Monat, von 11.30 bis 13.30 Uhr an der Hauptstraße 81. Natürlich wechseln die Gerichte.