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Migranten nutzen Chance in der Pflege

Personalmangel in der Pflege ist ihre Chance: So fassen Migranten in Witten Fuß

Quelle: WAZ Witten, Autorin Annette Kreikenbohm, 19.01.2026

Foto: Zufriedenes Team: Caritas-Chef Andreas Waning (hinten li.) mit Projektkoordinatorin Luisa Fischer (hinten M.) und Fachdienstleiterin Miriam Venn (r.) sowie den „Restartern“ (v.li.) Artem Lutenko, Olga Brazhnikov, Ganna Levchenko, Mouhssine Aharifi und Kessy Evbaziegbere.

Schon länger beschreitet die Caritas Witten neue Wege im Kampf gegen den Nachwuchsmangel im Pflegebereich. Hier erzählen junge Menschen, wie der Einstieg in den Job gelang.

Sie kommen aus dem Irak, aus Nigeria, Russland, der Ukraine, Spanien oder Syrien. Und ohne sie wären Alte und Kranke aufgeschmissen. Denn in der Pflege mangelt es allerorten an Personal. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte füllen diese Lücke auch in Witten zusehends aus.

Mit einer besonderen Qualifizierung bereiten sie sich auf eine Ausbildung im Gesundheitsbereich vor. „Restart“ heißt das Projekt, das die Caritas anbietet – mit Erfolg. Die ersten beiden Kurse haben dem Wohlfahrtsverband selbst schon 13 potenzielle Kräfte beschert, die dort nun eine Ausbildung machen oder anderweitig mitarbeiten.

Ganna Levchenko (38) flüchtete aus der Ukraine nach Witten, kurz nachdem der Krieg begann. Mit ihrem heute achtjährigen Sohn hat sich die junge Frau direkt auf den Weg gemacht. Später ist ihre Mutter mit der Oma nachgekommen. Ganna ist Lehrerin, hat aber zuletzt in ihrer Heimat ein Beautystudio betrieben, „weil man als Friseurin bei uns besser verdient“. In Deutschland wusste sie zunächst nicht, was sie tun sollte, hat erst einmal Sprachkurse absolviert – und dann von „Restart“ erfahren.

Geflüchtete vollziehen in Witten beruflichen Spurwechsel

Obwohl die Ukrainerin vorher nichts mit der Pflegebranche zu tun hatte, will sie nun unbedingt in dem Job arbeiten. Eine „tolle Lehrerin“ und die Beschäftigung mit dem Thema Demenz haben sie überzeugt. „Meine Oma war auch dement.“ Inzwischen ist die Großmutter verstorben. Nach verschiedenen Praktika ist Ganna Levchenko klar: „Ich möchte in die ambulante Pflege.“ Der enge Kontakt zu Patienten über einen langen Zeitraum hat es ihr angetan. Im April 2028 hat sie die Ausbildung hinter sich – und die Caritas wohl eine neue Fachkraft.

Auch Mouhssine Aharifi hat in seiner Heimat Marokko etwas ganz anderes gelernt. Der 35-Jährige ist eigentlich Metallbautechniker. Durch das Schweißen bekam er aber Augenprobleme. Deshalb vollzieht er nun den beruflichen Spurwechsel. Der Afrikaner lebt seit drei Jahren in Deutschland. Fast wäre er abgeschoben worden, erzählt Miriam Venn, Fachdienstleitung Migration, Integration und Ehrenamt bei der Caritas. Doch sie haben für ihn gekämpft. „Es war ein langer, mühsamer Weg“, sagt Venn. „Restart“ half ihm dabei, Fuß zu fassen – nicht nur mit Sprach- und Erste-Hilfe-Kurs oder Praxisübungen in der Pflege.

Projekt „Restart“ fördert auch soziale Integration

Längst engagiert sich Mouhssine Aharifi auch ehrenamtlich in Witten, zum Beispiel bei den Pfadfindern. Denn „Restart“ fördert zudem die soziale Integration. Gemeindemitglieder aus dem Pastoralen Raum Witten sind ebenso eingebunden wie Ehrenamtliche der Caritas. Sie begleiten viele Aktivitäten mit den Geflüchteten. So entstehen persönliche Kontakte bis hin zu Freundschaften.

Kessy Evbaziegbere war erst 16, als sie im fremden Deutschland ankam, wo ihre ältere Schwester bereits lebte. Der Rest der Familie blieb in Nigeria zurück. Kessy, deren Mutter Ärztin ist, begann eine Ausbildung zur Pflegeassistentin und brach sie ab. „Die Sprache war zu schwer, ich hatte schlechte Noten“, erinnert sich die 25-Jährige. Über „Restart“ habe sich ihr Deutsch schnell verbessert. Nun läuft es gut für sie.

Auch Hebammen und Krankenpfleger melden sich bei der Caritas Witten

Auch Olga Brazhnikov (37) aus Russland und Artem Lutenko (35) aus der Ukraine haben im Projekt gemerkt, wie viel Freude ihnen die pflegerische Arbeit bereitet. Sie ist eigentlich Kauffrau, er war Ingenieur. „Ich kannte das gar nicht, dass die Pflege alter Menschen ein richtiger Beruf ist“, sagt Lutenko. Seine Oma in der Ukraine ist 99 Jahre alt. Die Kinder kümmern sich dort um sie.

Anders als diese fünf Zugewanderten verfügen andere Teilnehmende von „Restart“ durchaus über Kenntnisse im medizinischen Bereich. „Es melden sich Hebammen und Krankenpfleger“, sagt Luisa Fischer, die das Projekt koordiniert. Doch sie weiß: Selbst wer 20 Jahre in der Heimat in einer Notaufnahme gearbeitet hat, dessen Qualifikation werde hier nur schwerlich anerkannt.

Deshalb lohnt es sich auch für jene, über „Restart“ zurück in die Pflege zu finden. Caritas-Geschäftsführer Andreas Waning hofft auf andauernden Zuspruch. Denn: „Der Bedarf an Nachwuchs ist groß.“

Anmelden für nächste „Restart“-Runde

Die Caritas Witten hat bereits zwei Durchgänge des einjährigen Qualifizierungsprogramms „Restart – zurück in die Pflege“ erfolgreich beendet. Das Projekt mit rund 900 Unterrichtseinheiten richtet sich vor allem an zugewanderte Menschen mit Vorerfahrungen im Bereich Pflege und Gesundheit. Aber auch andere Interessierte mit Migrationshintergrund können teilnehmen.

2025 wurde „Restart“ durch den Flüchtlingsfonds des Erzbistums Paderborn gefördert. Der nächste Durchgang startet im März. Die Teilnahme ist kostenlos. Bewerbungen sind noch möglich. Info: caritas-witten.de. Rückfragen bei Luisa Fischer unter restart@caritas-witten.de.

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